Orte, Klänge, Bewegung

Schon lange interessiere ich mich für field recordings. Ausschlaggebend dafür waren für mich die Arbeiten des britischen, in Berlin lebenden Klangkünstlers, Musikers und Klangökologen Peter Cusack. In den 70er und 80er Jahren war er als Gitarrist einer der wichtigsten Protagonisten der "second generation of british free improvisers" und für mich war er, als ich Anfang der 90er anfing, mich auf meiner akustischen Konzertgitarre vom konventionellen, erlernten Spiel abzuwenden, um mich mit klangforschendem und Improvisations-basiertem Spiel zu beschäftigen, eine große Inspiration. 

Ein wesentlicher Sinn von field recordings ist meiner Meinung nach die Sensibilisierung der akustischen Wahrnehmung unserer Umgebung; was "erzählt" uns ein bestimmter Ort, an dem wir uns aufhalten bzw. den wir aufsuchen, wenn wir ganz genau hinhören? 

Irgendwann habe ich begonnen, in meiner alten Heimatstadt Trier Orte aufzusuchen, die ich mag und zu denen ich immer gerne spaziere, wenn ich dort zu Besuch bin und habe an und/oder in ihnen mit meinem bescheidenen Equipment Audio-Aufnahmen gemacht. Manche der Orte habe ich aktiv zum Klingen gebracht, in dem ich an und in ihnen Klänge erzeugt, sie "bespielt" habe. An anderen Orten habe ich nur meinen Rekorder positioniert und aufgenommen. 

 

 An einer exponierten Stelle auf dem Petrisberg in meiner Heimatstadt Trier stehen drei Windharfen des Klangkünstlers Bernd Bleffert und des Musikers Thomas Rath. In die bodennahe Schallöffnung der mittleren Harfe hielt ich mit einer Hand meinen Rekorder, mit der anderen Hand hob ich Kieselsteine auf und liess sie zu Boden rieseln.  

 Ausschnitt aus einer Klangperformance in einem Waldstück bei Paffrath in der Nähe meines Kölner Wohnortes: Langsames Gehen auf dem Waldboden, Zerbrechen von Ästen und Zweigen. Im Hintergrund ein Maschinengeräusch und Kinderstimmen.

Improvisierte Klangperformance am Eingang des unteren Raumes der Thiels Burg, einer sogenannten Mini-Burg aus preussischer Zeit oberhalb eines Weinberges im Aveler Tal in Trier.Perkussive Klänge mit Händen, Zweigen und Steinen am Metallgitter,am Boden und an der Mauer.Gegen Ende zusätzlich meine Stimme. Der dahinterliegende dunkle, mit Müll übersäte, verschlossene Raum diente dabei als Resonanzraum.          

In unmittelbarer Nähe des Fernmeldeturms auf dem Trierer Petrisberg steht die Installation "Stelenarrangement". Eine kurze,spontane perkussive Aktion quasi im Vorbeigehen. Klopfen mit Händen auf eine der Stelen.     

FLÜSSE UND BÄCHE

Im Februar 2026 fuhr ich nach Lothringen, um den Oberlauf der Mosel ein zweites Mal wandernd zu erkunden. Im Oktober 2023 war ich zum ersten Mal in der Gegend. Dieses Mal hatte ich mein Aufnahmegerät dabei. 

Die erste Aufnahme machte ich an der Moselotte, einem 47 Kilometer langen Fluss, der in 1280 Metern Höhe am Berg Hohneck in den Vogesen entspringt und in St.Etienne-les-Remiremont am Fuße der Vogesen in die Moselle mündet. Ich saß an der Spitze einer kleinen Insel in der Nähe einer Brücke in dem Ort Cornimont. Der Fluss führte jetzt im Februar viel Wasser. Ich betrachtete die Strömung und war von zwei Seiten umgeben vom Sound des mit hoher Geschwindigkeit fließenden Wassers.  

Die Moselle, zu Deutsch: Mosel, ist ein 544 Kilometer langer Fluss, der in 721 Metern Höhe am Col du Bussang in den Vogesen entspringt und am Deutschen Eck in Koblenz in den Rhein mündet. 

Diese Aufnahme entstand etwa 5 Kilometer von der Quelle entfernt in der Nähe des Ortes Bussang. Im Hintergrund sind immer wieder LKWs zu hören, die auf der wenige Meter vom Fluss entfernten Schnellstraße N 66 fahren.

Der Mutzbach neben der Diepeschrather Mühle, an der Stadtgrenze Bergisch-Gladbach/ Köln. Auf dem kleinen Waldpfad neben dem Bach sind Jogger und Spaziergänger unterwegs. Flugzeuge sind permanent zu hören.

 

ARBEIT

Die meisten Menschen nehmen Klänge und Geräusche ihres Arbeitsumfeldes kaum bewusst war. Diese werden nicht als etwas betrachtet, das von besonderem Interesse sein könnte. Sie sind Nebeneffekte der Arbeitsprozesse und verdienen als solche keinerlei besondere Aufmerksamkeit. Sie dringen nur dann ins Bewusstsein vor, wenn sie extrem laut sind und/ oder als unangenehm-störend empfunden werden. An vielen Arbeitsplätzen gehört ein hoher Geräuschpegel einfach dazu. Er ist etwas, woran die meisten Menschen sich gewöhnen und den sie ignorieren. Was aber macht die akustische Umgebung unseres Arbeitplatzes eigentlich mit uns? Wie wirkt sie sich auf unser Wohlbefinden, unsere Psyche und unsere Konzentrationsfähigkeit aus? Starke Geräuschbelastung ist sehr häufig mit hohem Arbeitsvolumen, Stress und Hektik kombiniert. In meinem eigenen Arbeitsumfeld haben einige Mitarbeiter eine Strategie etabliert, um die Umgebungsgeräusche nicht wahrnehmen zu müssen: Penetrant plärrende Radios beschallen ganze Abteilungen. Sie werden zu Beginn der Schicht eingeschaltet und laufen ohne Unterlass. In der Realität sind sie eine Verstärkung des diffusen Klanggeschehens, jedoch werden diese Klangquellen als etwas Wünschenswertes und Unterhaltsames betrachtet - oder schlichtweg in ihrer Penetranz ignoriert, überhört.   

Ich habe ein paar Audio-Aufnahmen von meinem eigenen Arbeitsalltag gemacht: von Arbeitsprozessen und Arbeitsbereichen zu verschiedenen Tageszeiten. In der zweiten Hälfte meines Arbeitsalltags, der in den Abend hineingeht, verringert sich der Geräuschpegel im Vergleich zur ersten Hälfte meiner Schicht signifikant.    

Wareneingang: Station zur Vereinnahmung von Kleinteilen:

Die Kastenförderanlage steuert und transportiert volle und leere Behälter innerhalb der verschiedenen Bereiche des Vertriebszentrums.

Verbinden des Gabelstaplers mit einer Ladestation und Beginn des Ladevorgangs:

Verschiedene Tätigkeiten mit dem Gabelstapler in der Spätschicht: 

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